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Solaranlage auf dem Flachdach oder Schrägdach?

Solaranlage auf dem Flachdach oder Schrägdach?: Schrägdach Süd – ca. 30° fast optimal

Eine Solaranlage lässt sich sowohl auf einem Flachdach als auch auf einem Schrägdach wirtschaftlich betreiben. Ein nach Süden ausgerichtetes Schrägdach mit etwa 30° Neigung bietet nahezu optimale Bedingungen, ein Flachdach punktet dagegen mit Flexibilität, weil Sie Ausrichtung und Neigung der Module selbst wählen können. Welche Unterschiede es bei Ertrag, Montage und Statik gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Schrägdach: die klassische Lösung

Auf geneigten Dächern werden die Module meist parallel zur Dachfläche montiert. Haken unter den Dachziegeln tragen ein Schienensystem, auf dem die Module befestigt werden. Ausrichtung und Neigung sind damit durch das Dach vorgegeben.

Optimal ist laut Verbraucherzentrale eine Südausrichtung mit etwa 30° Neigung. Neigungen unter 25° oder über 60° kosten bis etwa 10 % Ertrag. Ost- und Westdächer liefern übers Jahr weniger; eine ältere Auswertung von co2online (Stand 2019) nennt etwa 18 bis 24 % weniger als bei einem Süddach. Als optimale Neigung gibt co2online für Süddächer etwa 35° und für Ost- oder Westdächer etwa 25° an.

Der Vorteil des Schrägdachs: Die Montage ist eingespielt, das zusätzliche Gewicht gering, und die Module werden durch Regen weitgehend selbst gereinigt.

Flachdach: Aufständerung nach Süden oder Ost-West

Auf einem Flachdach werden die Module in der Regel auf Gestellen aufgeständert. Laut Verbraucherzentrale können Sie dabei zwischen einer Süd- und einer Ost-West-Aufständerung wählen. Üblich sind ballastierte Aluminiumgestelle, die mit Gewichten beschwert statt im Dach verschraubt werden (co2online). So bleibt die Dachabdichtung unversehrt.

Die Aufständerung lohnt sich: Laut Fraunhofer ISE erhöht eine Neigung von 20 bis 25° die Einstrahlung auf die Module um etwa 15 % gegenüber einer horizontalen Lage.

Südaufständerung

Nach Süden geneigte Modulreihen erzielen pro Modul den höchsten Ertrag. Zwischen den Reihen sind allerdings Abstände nötig, damit sich die Module nicht gegenseitig verschatten. Dadurch passen weniger Module auf die gleiche Fläche.

Ost-West-Aufständerung

Bei Ost-West-Systemen stehen die Module paarweise wie ein flaches Zeltdach. Sie verschatten sich kaum gegenseitig und können dichter aufgestellt werden. Pro Modul ist der Ertrag etwas geringer, dafür passt meist mehr Leistung auf das Dach, und die Erzeugung verteilt sich gleichmäßiger über den Tag.

Flachdach und Schrägdach im Vergleich

Kriterium Schrägdach Flachdach
Ausrichtung durch das Dach vorgegeben Süd oder Ost-West frei wählbar
Neigung Dachneigung; optimal etwa 30° (Süd) über Aufständerung, z. B. 20 bis 25°
Montage Dachhaken und Schienen meist ballastierte Gestelle
Flächennutzung Dachfläche weitgehend nutzbar bei Südaufständerung Reihenabstände nötig
Zusatzgewicht Module und Montagesystem zusätzlich Ballast
Ertragsverteilung abhängig von der Dachseite bei Ost-West gleichmäßiger über den Tag

Unabhängig von der Dachform brauchen Sie laut Verbraucherzentrale etwa 5 bis 7 m² Fläche pro kWp. Wie viel Strom eine Anlage je nach Ausrichtung liefert, erklärt der Beitrag Wie viel Strom produziert eine Solaranlage im Jahr?

Ost-West: weniger Spitze, mehr Eigenverbrauch

Eine reine Südausrichtung liefert den höchsten Jahresertrag, konzentriert ihn aber auf die Mittagsstunden. Gerade dann ist der Verbrauch im Haushalt oft gering, und der Überschuss geht ins Netz. Ost-West-Anlagen erzeugen morgens und nachmittags mehr Strom, was laut Verbraucherzentrale den Eigenverbrauch erhöht. Da selbst genutzter Strom laut Verbraucherzentrale 30 bis 40 ct je kWh spart, kann das den geringeren Gesamtertrag teilweise ausgleichen.

Hinzu kommt die Einspeisebegrenzung: Neue Anlagen dürfen bis zum Einbau eines Smart Meters höchstens 60 % ihrer Leistung einspeisen. Ohne Speicher liegt der simulierte Verlust im ungünstigsten Fall, einem Süddach an einem sonnigen Standort, bei bis etwa 9 % (BSW-Solar). Ost-West-Anlagen erreichen seltener ihre volle Spitzenleistung und sind von solchen Begrenzungen weniger betroffen. Der Entwurf für ein neues EEG sieht zudem eine dauerhafte Einspeisegrenze von 50 % der Leistung vor; er ist allerdings noch nicht beschlossen (ADVANT Beiten). Wie Sie mehr Solarstrom selbst nutzen, lesen Sie unter Eigenverbrauch steigern.

Beispielrechnung: Süd- gegenüber Ost-West-Ausrichtung

Annahmen: eine Anlage mit 10 kWp, als Referenz für ein Süddach mit 35° Neigung der Wert der HTW Berlin von 1.024 kWh/kWp, für Ost-West der von co2online genannte Abschlag von 18 bis 24 %.

  • Süd: 10 kWp × 1.024 kWh/kWp = 10.240 kWh pro Jahr
  • Ost-West: 10.240 kWh × 0,76 bis 0,82 = rund 7.780 bis 8.400 kWh pro Jahr

Der Mindertrag fällt vor allem bei der Einspeisung ins Gewicht. Da ein größerer Teil des Ost-West-Stroms zu Zeiten entsteht, in denen im Haushalt Strom gebraucht wird, schrumpft der wirtschaftliche Abstand. Passt auf ein Flachdach mit Ost-West-Aufständerung zudem mehr Leistung, kann der Gesamtertrag sogar höher ausfallen als bei einer Südaufständerung auf derselben Fläche.

Statik und Dachzustand prüfen

Bevor Module aufs Dach kommen, muss klar sein, dass die Konstruktion die zusätzliche Last trägt. Laut co2online wiegen Module etwa 10 bis 15 kg pro m², hinzu kommen Wind- und Schneelasten. Auf Flachdächern erhöht der Ballast das Gewicht zusätzlich, denn er muss die Gestelle auch bei Sturm sicher halten.

Achten Sie außerdem auf den Zustand der Dacheindeckung oder Abdichtung. Module halten oft 20 bis 30 Jahre und mehr (Verbraucherzentrale). Ist eine Sanierung absehbar, sollte sie vor der Montage erfolgen. Bei Flachdächern ist zudem wichtig, dass Bautenschutzmatten unter den Gestellen die Abdichtung schützen und der Wasserablauf frei bleibt.

Kosten und Aufwand

Pauschale Preisunterschiede zwischen Flach- und Schrägdach lassen sich nicht seriös beziffern. Auf dem Flachdach fallen Aufständerung und Ballast an, auf dem Schrägdach Dachhaken und häufig ein aufwendigeres Gerüst. Entscheidend ist der Gesamtpreis pro kWp im konkreten Angebot. Laut einer Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale sinkt dieser mit der Anlagengröße deutlich; ein Flachdach mit dichter Ost-West-Belegung kann also auch preislich interessant sein. Einen Überblick gibt der Beitrag Photovoltaik-Kosten im Überblick.

Welche Lösung passt zu Ihrem Haus?

  • Schrägdach nach Süden: In der Regel die einfachste Lösung mit hohem Jahresertrag, ideal bei hohem Verbrauch in der Mittagszeit oder in Kombination mit einem Speicher.
  • Schrägdach nach Osten und Westen: Beide Dachseiten belegen, um Erzeugung über den Tag zu verteilen.
  • Flachdach, viel Fläche: Südaufständerung für maximalen Ertrag pro Modul.
  • Flachdach, begrenzte Fläche: Ost-West-Aufständerung, um möglichst viel Leistung unterzubringen.

Tipp: Lassen Sie sich für ein Flachdach Varianten mit Süd- und mit Ost-West-Aufständerung rechnen, jeweils mit Ertragsprognose und Leistung in kWp. Bis zu 3 Photovoltaik-Angebote geprüfter Fachbetriebe erhalten Sie kostenlos und unverbindlich über SolarTarifVergleich.

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Häufige Fragen

Kann man Module auf dem Flachdach einfach flach hinlegen?

Möglich ist es, aber meist nicht sinnvoll. Aufgeständerte Module mit 20 bis 25° Neigung erhalten laut Fraunhofer ISE etwa 15 % mehr Einstrahlung. Flach liegende Module verschmutzen zudem stärker.

Ist Ost-West schlechter als Süd?

Beim Jahresertrag ja, bei der Verteilung über den Tag nicht. Für Haushalte mit Verbrauch am Morgen und Nachmittag kann Ost-West wirtschaftlich gleichwertig sein.

Wie viel Fläche brauche ich?

Etwa 5 bis 7 m² pro kWp. Auf Flachdächern mit Südaufständerung kann wegen der Reihenabstände mehr Fläche nötig sein.

Gibt es Alternativen, wenn das Dach ungeeignet ist?

Ja, etwa einen Solar-Carport. Mehr dazu im Beitrag zum Solar-Carport.

Fazit

Ob Flachdach oder Schrägdach: Beide Dachformen eignen sich für Photovoltaik. Das Schrägdach überzeugt bei Südausrichtung mit hohem Ertrag und einfacher Montage, das Flachdach mit freier Wahl von Ausrichtung und Neigung. Prüfen Sie in jedem Fall Statik und Dachzustand und lassen Sie sich mehrere Varianten mit Ertragsprognose anbieten. Eine Beratung vor Ort hilft, Verschattung, Statik und die beste Belegung Ihres Dachs zuverlässig einzuschätzen.

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