Ein Solar-Carport schützt das Auto vor Wetter und erzeugt gleichzeitig Strom, und zwar genau dort, wo das Elektroauto geladen wird. Für einen Stellplatz rechnet der ADAC mit 3 bis 5 kWp und Kosten von etwa 9.000 bis 30.000 €. Ob Sie eine Baugenehmigung brauchen, regelt das Baurecht Ihres Bundeslandes; kleine Carports sind vielerorts verfahrensfrei.
Was ein Solar-Carport leistet
Ein Solar-Carport ist ein Unterstand, dessen Dach ganz oder teilweise aus Solarmodulen besteht oder mit ihnen belegt ist. Er erschließt eine zusätzliche Fläche für Photovoltaik, etwa wenn das Hausdach verschattet, zu klein oder ungünstig ausgerichtet ist. Gleichzeitig bietet er dem Auto Schutz vor Regen, Schnee und Hitze.
Eine Photovoltaikanlage erzeugt in Deutschland laut ADAC typischerweise 900 bis 1.300 kWh pro kWp und Jahr. Beispielrechnung (Annahmen: Anlagengröße 3 bis 5 kWp für einen Stellplatz laut ADAC, Ertrag 900 bis 1.300 kWh/kWp): Ein Carport mit 3 kWp an einem weniger guten Standort liefert rund 2.700 kWh im Jahr (3 × 900), einer mit 5 kWp an einem sehr guten Standort rund 6.500 kWh (5 × 1.300).
Zum Vergleich: Ein Elektroauto braucht bei 10.000 bis 15.000 km pro Jahr und Verbräuchen aus dem ADAC-Test grob 1.500 bis 3.600 kWh, wie wir im Beitrag Wie viel Solarstrom benötigt ein Elektroauto? vorrechnen. Rein bilanziell kann ein Solar-Carport den Jahresbedarf eines Autos also oft decken. Wie viel davon direkt in den Akku fließt, hängt aber von der Ladesteuerung und davon ab, wann das Auto zu Hause steht.
Ausrichtung, Neigung und Fläche
Für den Ertrag gelten dieselben Regeln wie auf dem Hausdach. Optimal ist laut Verbraucherzentrale eine Südausrichtung mit etwa 30 Grad Neigung. Neigungen unter 25 oder über 60 Grad kosten bis zu etwa 10 % Ertrag. Ost- und Westausrichtungen liefern übers Jahr weniger, verteilen die Erzeugung aber über den Tag, was den Eigenverbrauch erhöht.
Viele Carports haben ein nahezu flaches Dach. Werden die Module dort auf 20 bis 25 Grad aufgeständert, steigt die Einstrahlung auf die Modulebene laut Fraunhofer ISE um etwa 15 % gegenüber einer waagerechten Lage. Beachten Sie aber: Die Oberkante aufgeständerter Module zählt baurechtlich zur Höhe des Carports.
Als Flächenbedarf nennt die Verbraucherzentrale etwa 5 bis 7 m² pro kWp. Für 3 kWp sind das rund 15 bis 21 m² Modulfläche, für 5 kWp rund 25 bis 35 m². Mehr zu den Unterschieden zwischen flachen und geneigten Flächen lesen Sie im Beitrag Solaranlage auf dem Flachdach oder Schrägdach.
Genehmigung: Was das Landesbaurecht vorsieht
Ein Carport ist ein Bauwerk, für das die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes gilt. Viele Länder stellen kleinere Carports genehmigungsfrei. Der ADAC hat die Grenzen für einige Länder zusammengestellt (Stand September 2026):
| Bundesland | Genehmigungsfrei bis | Besonderheit |
|---|---|---|
| Rheinland-Pfalz, Berlin | 30 m² | – |
| Brandenburg, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern | 50 m² | höchstens 3 m mittlere Wandhöhe |
| Niedersachsen | 60 m² | – |
| Nordrhein-Westfalen | 50 m² | seit 1. September 2026, außerhalb des Außenbereichs (vorher 30 m²) |
Genehmigungsfrei heißt nicht regelfrei. Ein Bebauungsplan kann strengere Vorgaben machen, und auch Abstandsflächen zum Nachbargrundstück sind einzuhalten. Fragen Sie im Zweifel beim örtlichen Bauamt nach, bevor Sie bestellen. Für Bundesländer, die nicht in der Tabelle stehen, gibt die jeweilige Landesbauordnung Auskunft.
Kosten, Steuern und Wirtschaftlichkeit
Laut ADAC kostet ein Solar-Carport für ein Auto mit 3 bis 5 kWp inklusive Montage etwa 9.000 bis 30.000 €. Komplettsets mit Speicher gibt es für etwa 9.000 bis 18.000 €. Die große Spanne erklärt sich durch Material, Größe, Fundament und Ausstattung. Die Amortisation liegt laut ADAC typischerweise bei 10 bis 15 Jahren.
Steuerlich ist der Carport meist unkompliziert: Einkünfte aus der Carport-Photovoltaik fallen laut ADAC unter die Steuerbefreiung für Anlagen bis 30 kWp. Für Kauf und Installation von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern gilt zudem dauerhaft 0 % Umsatzsteuer (Verbraucherzentrale). Ob und in welchem Umfang das auch für die Tragkonstruktion gilt, sollten Sie mit dem Anbieter und gegebenenfalls einer Steuerberatung klären.
Wirtschaftlich zählt vor allem der Eigenverbrauch. Für eingespeisten Strom erhalten neue Anlagen bei Teileinspeisung bis 10 kWp 7,70 ct/kWh (Inbetriebnahme ab 1. August 2026, Verbraucherzentrale). Selbst genutzter Strom spart dagegen ein Vielfaches, weil er teuren Netzstrom ersetzt.
Solar-Carport und Wallbox kombinieren
Ihre Stärken spielt die Kombination aus Carport und Wallbox aus: Der Strom wird direkt über dem Stellplatz erzeugt, die Leitungswege sind kurz. Für einen hohen Solaranteil braucht die Wallbox eine Überschusssteuerung. Laut HTW Berlin erhöht dynamisches Überschussladen den solar gedeckten Anteil gegenüber sofortigem Laden um rund 25 Prozentpunkte, ein Heimspeicher dagegen im Mittel nur um rund 9 Prozentpunkte.
Formal gilt: Eine 11-kW-Wallbox muss beim Netzbetreiber angemeldet werden, eine 22-kW-Wallbox ist genehmigungspflichtig, und die Installation darf nur eine Elektrofachkraft übernehmen (ADAC). Als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG ist die Wallbox zudem ein Pflichtfall für das intelligente Messsystem. Mehr zu Ladeleistung und Ladeorten finden Sie auf unserer Seite E-Auto laden.
Checkliste für die Planung
- Bebauungsplan und Landesbauordnung prüfen, Abstände zum Nachbarn klären
- Ausrichtung, Neigung und mögliche Verschattung durch Bäume oder Gebäude bewerten
- Fundament, Statik und Schneelast vom Anbieter bestätigen lassen
- Leerrohre und Zuleitung für die Wallbox gleich mit einplanen
- Anschluss an Zählerschrank und Wechselrichter des Hauses klären
- Anmeldung von Photovoltaik und Wallbox beim Netzbetreiber über den Fachbetrieb veranlassen
Für wen sich ein Solar-Carport eignet
Ein Solar-Carport ist keine Pflichtergänzung zur Dachanlage, sondern eine Option für bestimmte Situationen. Besonders interessant ist er in diesen Fällen:
- Das Hausdach ist verschattet, zu klein, denkmalgeschützt oder bereits voll belegt.
- Ein neuer Carport ist ohnehin geplant, die Mehrkosten für die Solarvariante fallen dann geringer ins Gewicht.
- Ein Elektroauto ist vorhanden oder geplant und soll möglichst viel eigenen Strom laden.
- Der Stellplatz ist gut besonnt und nicht durch Bäume oder Nachbargebäude verschattet.
Weniger sinnvoll ist ein Solar-Carport, wenn der Stellplatz überwiegend im Schatten liegt oder das Hausdach noch freie, gut ausgerichtete Flächen bietet. Dort ist Photovoltaik in der Regel günstiger zu installieren.
Tipp: Lassen Sie Carport, Photovoltaik und Wallbox als ein Projekt planen. So passen Modulbelegung, Kabelwege und Ladesteuerung von Anfang an zusammen, und Sie vermeiden, dass für die Wallbox später Wände oder Fundamente erneut geöffnet werden müssen.
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Häufige Fragen
Braucht ein Solar-Carport eine Baugenehmigung?
Das hängt vom Bundesland und der Größe ab. Laut ADAC sind Carports je nach Land bis 30, 50 oder 60 m² genehmigungsfrei, teils mit Höhenbegrenzung. Ein Bebauungsplan kann strenger sein.
Wie viel Strom erzeugt ein Solar-Carport?
Bei 3 bis 5 kWp und einem typischen Ertrag von 900 bis 1.300 kWh pro kWp rechnerisch etwa 2.700 bis 6.500 kWh im Jahr, je nach Standort und Ausrichtung.
Was kostet ein Solar-Carport?
Für einen Stellplatz mit 3 bis 5 kWp nennt der ADAC etwa 9.000 bis 30.000 € inklusive Montage. Komplettsets mit Speicher liegen bei etwa 9.000 bis 18.000 €.
Lohnt sich ein Speicher am Solar-Carport?
Für das Laden des Autos bringt er laut HTW Berlin im Mittel nur rund 9 Prozentpunkte mehr Solaranteil. Ein Speicher kann sich eher für den übrigen Haushaltsverbrauch am Abend lohnen.
Fazit
Ein Solar-Carport verbindet Wetterschutz mit eigener Stromerzeugung und ist besonders interessant, wenn das Hausdach nicht ausreicht. Rechnerisch kann er den Jahresstrombedarf eines Elektroautos oft decken. Prüfen Sie vorab das Baurecht Ihres Bundeslandes und planen Sie die Wallbox gleich mit. Über SolarTarifVergleich erhalten Sie bis zu drei Photovoltaik-Angebote geprüfter Fachbetriebe aus Ihrer Region.
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