Eine Solaranlage in Deutschland erzeugt typischerweise 900 bis 1.300 kWh Strom pro Kilowatt-Peak (kWp) und Jahr, je nach Ausrichtung, Neigung und Standort (ADAC). Eine Anlage mit 10 kWp liefert demnach etwa 9.000 bis 13.000 kWh im Jahr. Wo Ihr Dach innerhalb dieser Spanne liegt und welche Faktoren den Ertrag beeinflussen, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Die Faustregel: Kilowattstunden pro kWp
Die Leistung einer PV-Anlage wird in Kilowatt-Peak angegeben. Das ist die Spitzenleistung der Module unter genormten Testbedingungen. Wie viel Strom daraus übers Jahr wird, beschreibt der spezifische Ertrag in kWh pro kWp. Mehrere seriöse Quellen nennen Werte, die gut zur ADAC-Spanne passen:
- Das Simulationsmodell der HTW Berlin rechnet mit 1.024 kWh/kWp für eine nach Süden ausgerichtete Anlage mit 35° Neigung in Brandenburg.
- Das Fraunhofer ISE nennt für Dachanlagen rund 922 Volllaststunden, also etwa 922 kWh pro kWp, und für neue Freiflächenanlagen 980 kWh/kWp.
- Die Verbraucherzentrale rechnet in einem Planungsbeispiel vorsichtig mit 900 kWh/kWp.
Für eine erste Abschätzung ist ein Wert um 900 bis 1.000 kWh/kWp daher realistisch. Gut ausgerichtete Dächer an sonnigen Standorten erreichen mehr, ungünstige Dächer weniger.
Jahresertrag nach Anlagengröße
Die folgende Tabelle zeigt den rechnerischen Jahresertrag für typische Anlagengrößen. Sie multipliziert die Leistung mit drei belegten Werten: dem vorsichtigen Ansatz der Verbraucherzentrale (900 kWh/kWp), dem HTW-Referenzwert (1.024 kWh/kWp) und dem oberen Ende der ADAC-Spanne (1.300 kWh/kWp).
| Anlagengröße | bei 900 kWh/kWp | bei 1.024 kWh/kWp | bei 1.300 kWh/kWp |
|---|---|---|---|
| 5 kWp | 4.500 kWh | 5.120 kWh | 6.500 kWh |
| 8 kWp | 7.200 kWh | 8.192 kWh | 10.400 kWh |
| 10 kWp | 9.000 kWh | 10.240 kWh | 13.000 kWh |
| 12 kWp | 10.800 kWh | 12.288 kWh | 15.600 kWh |
| 15 kWp | 13.500 kWh | 15.360 kWh | 19.500 kWh |
Die Werte sind Jahresdurchschnitte. Von Jahr zu Jahr schwankt der Ertrag mit dem Wetter. Wie Sie die passende Größe für Ihren Verbrauch finden, lesen Sie im Beitrag PV-Anlage richtig dimensionieren.
Einfluss von Ausrichtung und Neigung
Den größten Einfluss auf den Ertrag hat neben dem Standort die Lage der Module. Laut Verbraucherzentrale ist eine Südausrichtung mit etwa 30° Neigung optimal. Neigungen unter 25° oder über 60° kosten bis etwa 10 % Ertrag.
Ost-West-Dächer
Ost- und Westdächer liefern übers Jahr weniger Strom als ein Süddach. Eine ältere Auswertung von co2online (Stand 2019) beziffert das Minus auf etwa 18 bis 24 %. Dafür verteilt sich der Ertrag gleichmäßiger über den Tag: morgens auf der Ostseite, nachmittags auf der Westseite. Das passt oft besser zum Verbrauch im Haushalt und erhöht den Eigenverbrauch.
Flachdächer
Auf Flachdächern werden die Module meist aufgeständert, entweder nach Süden oder in Ost-West-Richtung. Laut Fraunhofer ISE erhöht eine Aufständerung auf 20 bis 25° die Einstrahlung auf die Module um etwa 15 % gegenüber einer flachen Montage. Mehr dazu im Beitrag Solaranlage auf dem Flachdach oder Schrägdach?
Region, Wetter und Jahreszeit
Die Sonneneinstrahlung unterscheidet sich innerhalb Deutschlands spürbar, und auch lokale Gegebenheiten wie häufiger Nebel oder eine Höhenlage spielen eine Rolle. Die Spanne von 900 bis 1.300 kWh/kWp spiegelt deshalb nicht nur die Ausrichtung wider, sondern auch den Standort. Für eine belastbare Aussage zu Ihrem Haus sollte eine Ertragsprognose mit den Strahlungsdaten Ihres Ortes erstellt werden.
Über das Jahr verteilt sich der Ertrag sehr ungleich. Der Großteil fällt im Frühjahr und Sommer an, in den Wintermonaten ist er gering. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass ein Haushalt deshalb auch mit Speicher keine vollständige Selbstversorgung erreicht, weil die Monate November bis Februar kaum Überschüsse liefern.
Verschattung, Technik und Alterung
Neben Ausrichtung und Standort beeinflussen weitere Faktoren den Ertrag:
- Verschattung: Bäume, Gauben, Schornsteine oder Antennen können einzelne Module verschatten. Je nach Verschaltung wirkt sich das auf weitere Module aus. Moderne Wechselrichterkonzepte können die Verluste begrenzen.
- Wärme: Module arbeiten bei Kälte effizienter als bei großer Hitze. Eine gute Hinterlüftung hilft.
- Verschmutzung: Bei normal geneigten Dächern reinigt der Regen die Module weitgehend. Bei sehr flacher Montage kann sich mehr Schmutz ablagern.
- Alterung: Module verlieren typischerweise 0,3 bis 0,7 % Leistung pro Jahr (42watt). Das Fraunhofer ISE rechnet mit 0,5 % pro Jahr.
Beispielrechnung zur Alterung: Eine 10-kWp-Anlage mit 900 kWh/kWp erzeugt anfangs 9.000 kWh. Bei 0,5 % Leistungsverlust pro Jahr (linear gerechnet) liegt sie nach 20 Jahren bei 90 % der Anfangsleistung, also bei etwa 8.100 kWh im Jahr.
Wie viel davon nutzen Sie selbst?
Für die Wirtschaftlichkeit zählt nicht nur, wie viel Strom die Anlage erzeugt, sondern wie viel Sie davon selbst verbrauchen. Ein typisches Einfamilienhaus deckt ohne Speicher etwa 25 bis 30 % seines Bedarfs mit eigenem Solarstrom, mit Speicher bis etwa 70 % (Verbraucherzentrale). Den Rest speisen Sie ins Netz ein. Eine größere Anlage erhöht also vor allem die eingespeiste Menge, während der Eigenverbrauch nur langsam mitwächst. Deshalb lohnt es sich, Erzeugung und Verbrauch bei der Planung gemeinsam zu betrachten. Tipps, wie Sie mehr Solarstrom selbst nutzen, finden Sie im Beitrag Eigenverbrauch steigern.
So schätzen Sie den Ertrag für Ihr Dach
Mit wenigen Schritten kommen Sie zu einer ersten, realistischen Schätzung:
- Nutzbare Fläche ermitteln: Ziehen Sie Fenster, Gauben und Randabstände ab und teilen Sie die verbleibende Fläche durch 5 bis 7 m² pro kWp.
- Ausrichtung und Neigung bestimmen: Süddächer mit etwa 30° liegen im oberen Bereich, Ost-West-Dächer und sehr flache oder sehr steile Dächer darunter.
- Spezifischen Ertrag ansetzen: Rechnen Sie vorsichtig mit rund 900 kWh/kWp und ziehen Sie bei Ost-West-Ausrichtung einen Abschlag ab.
- Verschattung prüfen: Beobachten Sie das Dach zu verschiedenen Tageszeiten, besonders am Vormittag und Nachmittag.
- Ergebnis mit der Prognose im Angebot vergleichen: Größere Abweichungen sollte der Fachbetrieb erklären können.
Beispielrechnung Ost-West: Ausgangspunkt ist der HTW-Wert für ein Süddach mit 35° Neigung (1.024 kWh/kWp). Eine 10-kWp-Anlage käme damit auf 10.240 kWh. Mit dem von co2online genannten Abschlag von 18 bis 24 % für Ost- oder Westdächer ergäben sich rechnerisch etwa 7.780 bis 8.400 kWh im Jahr.
Tipp: Lassen Sie sich mit jedem Angebot eine Ertragsprognose für Ihr konkretes Dach geben und vergleichen Sie den Wert pro kWp mit der Spanne von 900 bis 1.300 kWh. Auffällig hohe Prognosen sollten Sie hinterfragen. Ihre mögliche Ersparnis können Sie vorab mit unserem Rechner Ersparnis berechnen abschätzen.
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Häufige Fragen
Wie viel Strom produziert 1 kWp im Jahr?
In Deutschland typischerweise 900 bis 1.300 kWh, abhängig von Ausrichtung, Neigung und Standort (ADAC).
Wie viel Dachfläche brauche ich pro kWp?
Etwa 5 bis 7 m² pro kWp (Verbraucherzentrale). Für 10 kWp benötigen Sie also rund 50 bis 70 m² geeignete Fläche.
Produziert eine Solaranlage im Winter Strom?
Ja, aber deutlich weniger als im Sommer. Kürzere Tage, flacher Sonnenstand und Schnee auf den Modulen senken den Ertrag in den Wintermonaten stark.
Reicht der Ertrag für ein Elektroauto?
Teilweise. Laut HTW Berlin decken Anlagen mit 5 bis 10 kW bei 10.000 bis 15.000 km pro Jahr etwa 46 % des Ladebedarfs mit Solarstrom. Mehr dazu unter Wie viel Solarstrom benötigt ein Elektroauto?
Fazit
Pro kWp erzeugt eine Solaranlage in Deutschland im Jahr etwa 900 bis 1.300 kWh. Wo Ihr Dach innerhalb dieser Spanne liegt, hängt vor allem von Ausrichtung, Neigung, Standort und Verschattung ab. Für die Planung sollten Sie mit vorsichtigen Werten rechnen und eine Ertragsprognose für Ihr Dach einholen, etwa über Photovoltaik-Angebote von Fachbetrieben aus Ihrer Region.


