Die Rendite einer Solaranlage ergibt sich aus dem Verhältnis von Anschaffungskosten zu den jährlichen Einsparungen und Erlösen: Gespartes Netzstrom-Geld plus Einspeisevergütung, abzüglich laufender Kosten. Den größten Hebel hat dabei der Eigenverbrauch, denn jede selbst genutzte Kilowattstunde ist ein Vielfaches dessen wert, was Sie für eingespeisten Strom erhalten. Wie die Rechnung im Detail funktioniert, zeigt dieser Beitrag mit einer nachvollziehbaren Beispielrechnung.
Die Grundformel: Kosten, Ertrag und Ersparnis
Für eine solide Wirtschaftlichkeitsrechnung brauchen Sie nur wenige Größen:
- Investition: der Gesamtpreis laut Angebot, inklusive Montage und gegebenenfalls Speicher.
- Jahresertrag: wie viele Kilowattstunden die Anlage pro Jahr erzeugt.
- Eigenverbrauch: welcher Teil davon direkt im Haushalt genutzt wird.
- Strompreis: was Sie für jede Kilowattstunde aus dem Netz bezahlen würden.
- Einspeisevergütung: was Sie für den Überschuss erhalten.
- Laufende Kosten: etwa Messstellenbetrieb, Versicherung oder ein späterer Wechselrichtertausch.
Daraus ergibt sich der jährliche Überschuss: Ersparnis durch Eigenverbrauch plus Einspeiseerlöse minus laufende Kosten. Teilen Sie die Investition durch diesen Überschuss, erhalten Sie die Amortisationszeit, also die Zahl der Jahre, bis sich die Anlage bezahlt gemacht hat. Alles, was die Anlage danach erwirtschaftet, ist Gewinn.
Warum der Eigenverbrauch die Rendite bestimmt
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse bei 37,0 ct/kWh. Für Strom, den Sie ins Netz einspeisen, erhalten Sie bei Inbetriebnahme ab 01.08.2026 dagegen 7,70 ct/kWh bis 10 kWp und 6,66 ct/kWh für den Anteil darüber (Verbraucherzentrale – EEG 2023/24). Die Verbraucherzentrale beziffert die Ersparnis pro selbst verbrauchter Kilowattstunde auf 30 bis 40 ct.
Wie viel Sie selbst nutzen können, hängt vom Verbrauchsprofil ab. Ein typisches Einfamilienhaus deckt mit einer PV-Anlage ohne Speicher etwa 25 bis 30 % seines Strombedarfs selbst, mit Speicher bis etwa 70 % (Verbraucherzentrale – Batteriespeicher). Wer Waschmaschine, Wärmepumpe oder E-Auto gezielt tagsüber betreibt, verbessert die Rechnung spürbar. Praktische Ansätze finden Sie im Beitrag Eigenverbrauch steigern.
Die wichtigsten Einflussfaktoren
Anschaffungspreis
Der Preis pro kWp sinkt mit der Anlagengröße deutlich. Laut einer Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale kosten Anlagen über 9 bis 10 kWp im Schnitt 1.410 €/kWp, Anlagen zwischen 4 und 6 kWp dagegen 2.090 €/kWp. Die einzelnen Angebote streuen allerdings stark. Ein Überblick über alle Größenklassen steht im Artikel Photovoltaik-Kosten im Überblick.
Standort und Ausrichtung
In Deutschland liefert eine PV-Anlage je nach Ausrichtung, Neigung und Standort typischerweise 900 bis 1.300 kWh pro kWp und Jahr (ADAC). Allein diese Spanne verändert die Rendite erheblich.
Einspeisevergütung und Laufzeit
Die Vergütung gilt 20 Jahre ab Inbetriebnahme. Für Neuanlagen sinken die Sätze seit Februar 2024 halbjährlich um 1 % (ADAC – Einspeisevergütung). Für Strom, der bei negativen Börsenpreisen eingespeist wird, erhalten neue Anlagen keine Vergütung; dafür verlängert sich der Förderzeitraum um diese Zeiten (BSW-Solar).
Beispielrechnung ohne Speicher
Die folgende Beispielrechnung verwendet ausschließlich belegte Durchschnittswerte. Annahmen: Einfamilienhaus mit 3.500 kWh Jahresverbrauch (die Bezugsgröße der BDEW-Strompreisanalyse), PV-Anlage mit 10 kWp, Teileinspeisung, Inbetriebnahme ab 01.08.2026, 30 % Autarkie ohne Speicher (oberer Wert der Verbraucherzentrale), gleichbleibender Strompreis.
| Posten | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Investition | 10 kWp × 1.410 €/kWp | 14.100 € |
| Jahresertrag | 10 kWp × 900 kWh/kWp | 9.000 kWh |
| Eigenverbrauch | 30 % von 3.500 kWh | 1.050 kWh |
| Ersparnis Netzstrom | 1.050 kWh × 37,0 ct | 388,50 € |
| Einspeisung | 9.000 kWh − 1.050 kWh | 7.950 kWh |
| Einspeiseerlös | 7.950 kWh × 7,70 ct | 612,15 € |
| Messstellenbetrieb | iMSys 50 € + Steuerbox 50 € | −100,00 € |
| Jährlicher Überschuss | 388,50 € + 612,15 € − 100,00 € | 900,65 € |
| Amortisationszeit | 14.100 € ÷ 900,65 € | rund 15,7 Jahre |
Quellen der Eingangswerte: Preis pro kWp aus der Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale; 900 kWh/kWp aus einem Rechenbeispiel der Verbraucherzentrale zur Planung; Strompreis vom BDEW; Messkosten als gesetzliche Preisobergrenzen laut Verbraucherzentrale – Smart Meter, da ab 7 kWp iMSys und Steuerbox Pflicht sind.
Über die 20 Jahre der Einspeisevergütung ergäbe sich rechnerisch ein Überschuss von 20 × 900,65 € = 18.013 €, also gut 3.900 € mehr als die Investition. Nicht berücksichtigt sind dabei die Moduldegradation, für die Fraunhofer ISE mit 0,5 % pro Jahr rechnet, und ein Wechselrichtertausch, da Wechselrichter rund 15 Jahre halten (42watt). Auf der anderen Seite laufen Module laut Verbraucherzentrale oft 20 bis 30 Jahre und mehr und sparen auch nach Ende der Vergütung weiter Strom ein.
Was ein Speicher an der Rechnung ändert
Bleiben wir beim Beispiel und ergänzen einen Speicher. Nach der Faustregel der Verbraucherzentrale (etwa 1,5 kWh je 1.000 kWh Jahresverbrauch) passen zu 3.500 kWh rund 5 kWh. Bei 510 €/kWh für die Größenklasse 4 bis 6 kWh kostet er 2.550 €. Nehmen wir an, die Autarkie steigt auf 50 %, angelehnt an die HTW Berlin, die für ausgewogen dimensionierte Systeme (rund 1 kWp und 1 kWh Speicher je 1.000 kWh Jahresverbrauch) Eigenverbrauch und Autarkie im Mittel über 50 % ermittelt:
- Eigenverbrauch: 1.750 kWh × 37,0 ct = 647,50 €
- Einspeisung: 7.250 kWh × 7,70 ct = 558,25 €
- Mehrertrag gegenüber ohne Speicher: 1.205,75 € − 1.000,65 € = 205,10 € pro Jahr
- Amortisation des Speichers: 2.550 € ÷ 205,10 € = rund 12,4 Jahre
Da die Verbraucherzentrale bei Batteriespeichern mit einer Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren rechnet und Speicherverluste hier nicht eingerechnet sind, ist ein Speicher in diesem Beispiel finanziell knapp. Er lohnt sich eher bei höherem Verbrauch oder günstigem Preis. Welche Größe passt, erklärt der Beitrag Welche Speichergröße passt zu Ihrem Haushalt?
Rahmenbedingungen für 2026 und 2027
Anlagen, die bis 31.12.2026 in Betrieb gehen, behalten nach Angaben der Verbraucherzentrale 20 Jahre lang die feste Vergütung. Für spätere Anlagen liegt ein Entwurf für ein neues EEG vor, der noch nicht beschlossen ist (ADVANT Beiten). Laut BEE sieht er für neue Dachanlagen unter 25 kW statt der Einspeisevergütung eine befristete Abnahme mit 5,2 ct/kWh für höchstens 36 Monate vor. Sollte das so kommen, würde der Eigenverbrauch für die Rendite noch wichtiger.
Typische Fehler bei der Renditerechnung
Viele Rechnungen in Angeboten oder im Internet wirken attraktiver, als sie sind. Achten Sie auf diese Punkte:
- Zu hoher Eigenverbrauch: Ohne Speicher sind Quoten weit über den genannten 25 bis 30 % Autarkie für ein typisches Einfamilienhaus selten realistisch.
- Ertrag vom Idealdach: Wer mit dem oberen Ende der Ertragsspanne rechnet, obwohl das Dach nach Osten oder Westen zeigt oder teilweise verschattet ist, überschätzt die Erlöse.
- Fehlende laufende Kosten: Messstellenbetrieb, Versicherung und ein späterer Wechselrichtertausch gehören in die Rechnung.
- Stark steigende Strompreise als Grundannahme: Der Durchschnittspreis ist 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse August 2026 sogar gesunken. Rechnen Sie lieber vorsichtig und betrachten Sie Preissteigerungen als Chance, nicht als feste Größe.
Tipp: Rechnen Sie mit Ihren eigenen Verbrauchsdaten statt mit Durchschnittswerten. Mit unserem Rechner können Sie Ihre mögliche Ersparnis berechnen und anschließend konkrete Angebote vergleichen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis sich eine Solaranlage amortisiert?
Das hängt von Preis, Ertrag und Eigenverbrauch ab. In unserer Beispielrechnung mit 10 kWp ohne Speicher sind es rund 15,7 Jahre. Ein höherer Eigenverbrauch oder ein günstigeres Angebot verkürzt diese Zeit.
Lohnt sich Volleinspeisung mehr?
Bei sehr geringem Eigenverbrauch kann sie mithalten: Die Volleinspeisung wird bis 10 kWp mit 12,22 ct/kWh vergütet (Verbraucherzentrale). Im Beispiel wären das 9.000 kWh × 12,22 ct = 1.099,80 € gegenüber 1.000,65 € bei Teileinspeisung (jeweils vor Messkosten). Volleinspeisung muss dem Netzbetreiber vor Inbetriebnahme gemeldet werden.
Muss ich auf die Erlöse Steuern zahlen?
Für Anlagen bis 30 kW je Wohneinheit sind die Einnahmen von der Einkommensteuer befreit (Verbraucherzentrale – Steuervorteile). Beim Kauf fällt zudem keine Umsatzsteuer an.
Ab wann lohnt sich eine Anlage überhaupt?
Eine pauschale Grenze gibt es nicht. Ob sich eine Anlage für Ihr Haus rechnet, beschreibt der Beitrag Lohnt sich eine Photovoltaikanlage für mein Haus?
Fazit
Die Rendite einer Solaranlage lässt sich mit wenigen Werten zuverlässig abschätzen: Investition, Jahresertrag, Eigenverbrauch, Strompreis und Einspeisevergütung. Weil selbst genutzter Strom weit mehr wert ist als eingespeister, entscheidet vor allem der Eigenverbrauch über die Wirtschaftlichkeit. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen und einem konkreten Angebot, dann wird aus der Schätzung eine belastbare Entscheidungsgrundlage.


