Mit eigenem Solarstrom kosten 100 km Fahrt je nach Rechenweg und Fahrzeug etwa 0,89 bis 3,35 €, mit Netzstrom zum Durchschnittspreis dagegen rund 5,48 bis 8,84 €. Der Unterschied entsteht, weil eine Kilowattstunde vom eigenen Dach weit weniger kostet als eine aus dem Netz. Wie Sie die Kosten richtig berechnen und was die Rechnung verändert, erfahren Sie hier.
Zwei Sichtweisen auf den Preis des eigenen Stroms
Was eine Kilowattstunde vom eigenen Dach kostet, lässt sich auf zwei Arten betrachten. Beide sind richtig, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
Stromgestehungskosten: Was kostet die Erzeugung?
Die Stromgestehungskosten verteilen alle Kosten einer Anlage, also Anschaffung, Montage, Betrieb und Wartung, auf die Kilowattstunden, die sie über ihre Lebensdauer erzeugt. Für kleine Photovoltaik-Dachanlagen gibt das Fraunhofer ISE 6 bis 14 ct/kWh an. Diese Sicht ist sinnvoll, wenn Sie eine Anlage neu planen und wissen möchten, was Sie der Strom insgesamt kostet.
Entgangene Einspeisevergütung: Worauf verzichten Sie?
Steht die Anlage bereits auf dem Dach, sind die Investitionskosten bezahlt, egal wohin der Strom fließt. Für jede Kilowattstunde, die Sie ins Auto laden, verzichten Sie dann nur auf die Vergütung, die Sie für die Einspeisung bekommen hätten. Für Anlagen mit Inbetriebnahme ab dem 1. August 2026 sind das bei Teileinspeisung bis 10 kWp 7,70 ct/kWh (Verbraucherzentrale). Bei Bestandsanlagen zählt der Satz, der zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme galt.
In manchen Stunden ist der Verzicht sogar gleich null: Neue Anlagen erhalten für Strom, der bei negativen Börsenpreisen eingespeist wird, keine EEG-Vergütung (BSW-Solar). Ab wann das für kleine Anlagen konkret gilt, beschreiben die Quellen unterschiedlich; laut Verbraucherzentrale hängt es vom Einbau von Smart Meter und Steuerbox ab. Im Jahr 2025 gab es laut ADAC knapp 575 Stunden mit negativen Strompreisen. Lädt das Auto in solchen Stunden, entgeht Ihnen in dieser Betrachtung keine Vergütung.
Netzstrom als Vergleichsmaßstab
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse bei 37,0 ct/kWh (Neukundentarife, 3.500 kWh pro Jahr, inklusive Grundpreis). Davon entfallen 15,17 ct auf Beschaffung und Vertrieb, 9,24 ct auf Netzentgelte und 12,6 ct auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Ihr eigener Tarif kann davon abweichen, für einen fairen Vergleich sollten Sie Ihren tatsächlichen Arbeitspreis einsetzen.
Die Verbraucherzentrale fasst den Abstand so zusammen: Strom vom eigenen Dach spart 30 bis 40 ct je selbst verbrauchter Kilowattstunde und damit deutlich mehr, als die Einspeisung einbringt.
Beispielrechnung: Kosten pro 100 Kilometer
Für die Rechnung nutzen wir die Verbrauchswerte aus dem ADAC-Verbrauchstest: In den Tests ab Januar 2026 lagen sie zwischen 14,8 und 23,9 kWh pro 100 km. Annahmen: Strompreise wie oben, Ladeverluste nicht gesondert berücksichtigt.
| Strombasis | Preis je kWh | 100 km bei 14,8 kWh | 100 km bei 23,9 kWh |
|---|---|---|---|
| Solarstrom, untere Stromgestehungskosten | 6 ct | ca. 0,89 € | ca. 1,43 € |
| Solarstrom, entgangene Einspeisevergütung | 7,70 ct | ca. 1,14 € | ca. 1,84 € |
| Solarstrom, obere Stromgestehungskosten | 14 ct | ca. 2,07 € | ca. 3,35 € |
| Netzstrom, Durchschnittspreis 2026 | 37,0 ct | ca. 5,48 € | ca. 8,84 € |
Selbst im ungünstigsten Fall kostet Solarstrom pro 100 km weniger als die Hälfte des Netzstroms.
Beispielrechnung übers Jahr
Ganz ohne Netzstrom kommt kaum ein Haushalt aus. Die HTW Berlin hat ermittelt, dass Anlagen mit 5 bis 10 kW bei 10.000 bis 15.000 km pro Jahr etwa 46 % des Ladebedarfs solar decken. Diesen Wert setzen wir an.
Annahmen: 10.000 km pro Jahr, Verbrauch 14,8 kWh pro 100 km, Solaranteil 46 %, Solarstrom bewertet mit der entgangenen Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh, Netzstrom 37,0 ct/kWh.
- Strombedarf: 10.000 km ÷ 100 × 14,8 kWh = 1.480 kWh
- Davon solar (46 %): 680,8 kWh × 7,70 ct = rund 52 €
- Davon aus dem Netz (54 %): 799,2 kWh × 37,0 ct = rund 296 €
- Gesamtkosten mit Solaranlage: rund 348 €
- Zum Vergleich nur Netzstrom: 1.480 kWh × 37,0 ct = rund 548 €
Die Ersparnis liegt in diesem Beispiel bei rund 199 € im Jahr. Mit dem höheren Verbrauch von 23,9 kWh pro 100 km wären es bei sonst gleichen Annahmen rund 322 €. Wer mehr fährt oder einen höheren Solaranteil erreicht, spart entsprechend mehr.
Was die Rechnung verändert
- Ladeverluste: Laut ADAC sind sie an der Wallbox etwa halb so hoch wie an der Haushaltssteckdose. Verluste verteuern jeden gefahrenen Kilometer, egal ob mit Solar- oder Netzstrom.
- Standby-Verbrauch: Wallboxen verbrauchen laut HTW im Standby bis zu 20 W, rund 164 kWh im Jahr. Aus dem Netz bezogen wären das zum Durchschnittspreis rund 61 €.
- Netzentgelt nach § 14a EnWG: Für steuerbare Wallboxen gibt es ein reduziertes Netzentgelt, bei der Pauschale (Modul 1) laut Bundesnetzagentur 110 bis 190 € pro Jahr (Stand 2023). Das verbilligt den Netzstromanteil.
- Künftige Einspeiseregeln: Laut Darstellung des BEE sieht der Kabinettsentwurf zur EEG-Novelle 2027 vor, die Einspeisevergütung für neue Dachanlagen unter 25 kW durch eine befristete Abnahme mit 5,2 ct/kWh für höchstens 36 Monate zu ersetzen (BEE zum Kabinettsentwurf). Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Käme es so, würde Eigenverbrauch für Neuanlagen noch attraktiver.
Wie Sie den Solaranteil erhöhen
Je mehr Ladestrom vom eigenen Dach kommt, desto geringer sind die Kosten. Laut HTW Berlin bringt dynamisches Überschussladen gegenüber sofortigem Laden rund 25 Prozentpunkte mehr Solaranteil. Anlagen mit 15 bis 20 kW erreichten etwa 62 % statt 46 %. Ein Heimspeicher erhöhte den Anteil im Mittel nur um rund 9 Prozentpunkte. Da Speicher inklusive Installation laut Verbraucherzentrale etwa 300 bis 700 € je kWh kosten, ist eine gute Ladesteuerung meist der günstigere Hebel. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt unsere Seite zur Wallbox. Weitere Ansätze finden Sie im Beitrag Eigenverbrauch steigern.
Tipp: Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen: Arbeitspreis Ihres Stromtarifs, Einspeisevergütung Ihrer Anlage und Verbrauch laut Bordcomputer. Schon diese drei Werte zeigen, wie viel jede solar geladene Kilowattstunde Ihnen bringt.
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Häufige Fragen
Was kostet eine Kilowattstunde Solarstrom vom eigenen Dach?
Die Stromgestehungskosten kleiner Dachanlagen liegen laut Fraunhofer ISE bei 6 bis 14 ct/kWh. Bei einer bestehenden Anlage zählt vor allem die entgangene Einspeisevergütung, für Neuanlagen ab August 2026 sind das 7,70 ct/kWh bis 10 kWp.
Was kosten 100 km mit Solarstrom?
Bei Verbräuchen von 14,8 bis 23,9 kWh pro 100 km und 6 bis 14 ct/kWh rechnerisch etwa 0,89 bis 3,35 €. Mit Netzstrom zum Durchschnittspreis von 37,0 ct/kWh sind es rund 5,48 bis 8,84 €.
Lohnt sich Solarladen auch mit einer älteren Anlage?
Ja, wenn die Einspeisevergütung Ihrer Anlage deutlich unter Ihrem Strompreis liegt. Je höher Ihre Vergütung ist, desto geringer fällt der Vorteil des Eigenverbrauchs aus. Prüfen Sie dazu den Satz in Ihrem Einspeisevertrag.
Wie hoch ist die Ersparnis im Jahr?
In unserem Beispiel mit 10.000 km, 14,8 kWh pro 100 km und 46 % Solaranteil rund 199 € gegenüber reinem Netzstrom, bei 23,9 kWh pro 100 km rund 322 €.
Fazit
Eine Ladung mit eigenem Solarstrom kostet nur einen Bruchteil des Netzstroms. Ob Sie mit Stromgestehungskosten oder entgangener Einspeisevergütung rechnen, beide Wege führen zu deutlich niedrigeren Kosten pro 100 km. Wie groß die Ersparnis im Jahr ausfällt, hängt vor allem vom Solaranteil ab, also von Steuerung, Anlagengröße und Ladegewohnheiten. Wie viel Strom Ihr Auto braucht, lesen Sie im Beitrag Wie viel Solarstrom benötigt ein Elektroauto?, Grundlagen zum Laden auf unserer Seite E-Auto laden. Ihre persönliche Ersparnis können Sie mit unserem Rechner Ersparnis berechnen ermitteln.


